Was kann einem zwischen psychischer Erkrankung, finanziellen Existenzkampf und Ärger in der Tagesstruktur noch so richtig treffen? Eine Klassenfahr. Oh ja.
Beim Elternabend wird die Klassenfahrt erstmal vorgestellt. Ich hatte da schon beim ersten Mal ein ungutes Gefühl. Die Preise sind gigantisch. Wir reden da von ca. 1000 -1300 Euro für vier bis fünf Tage. Das ist günstig werden wir belehrt, schließlich sind Flug und das meiste Essen im Preis inkludiert und mit 100-200 Euro Tageschengeld stünde einer erfolgreichen Klassenfahrt auch nichts mehr im Wege. Erstmal muss ich wirklich schlucken, wie finanziere ich das mal so auf die Schnelle? Zuhause bleiben ist keine Option, denn in der Schule regiert der Gruppenzwang. Wer nicht dabei ist, bleibt außen vor. Da mein Kind niemals mit mir in den Urlaub fährt, kann es grundsätzlich nach den Ferien nichts am „Wo warst du in den Ferien“ Gesprächen beitragen. Somit will ich mein Kind nicht zum kompletten Außenseiter degradiere.
Als könnte die Lehrerin meine Gedanken lesen, teilt sie eine Liste aus. Wir werden darin dahingehend aufgeklärt, dass die Finanzierung null Problem darstelle, denn wer arm ist, kann um finanzielle Unterstützung ansuchen. Komplett problemlos. Dass das kein problemloses Vorgehen wird, fühle ich tief in mir drin. Der finanzielle geforderte Exhibitionismus ist verständlich und nachvollziehbar. Diese Mittel sollen nun mal nur den Bedürftigen zur Verfügung gestellt werden. Im Laufe der Ansuchen zeigen sich neue Herausforderungen, die meisten Hilfsgelder werden erst nach der Klassenfahrt ausgezahlt. Somit kann man im schlimmsten Fall (nicht jede Klassenfahrt ist gleich verheerend) einfach mal um die 1000 Euro für ein paar Monate auslegen.
Wenn dann noch etwas im Alltag kaputt geht (Waschmaschine, Schuhe, Kühlschrank…), ist die Situation nur noch beängstigend. Ich verstehe, dass solche Klassenfahrten ein super Erlebnis sind und auch die Wirtschaft stärken, aber was macht es mit armen Eltern? Durch den Gruppenzwang gibt es kein Entkommen. Meine Zwangs- und Angststörung macht mir den Alltag sowieso schon schwer genug, aber solche unnötigen Klassenfahrten triggern mich noch mehr. So kann man nicht gesund werden.
Ich frage mich dann immer, warum gehen diese Schulen nicht wandern? Warum keine Hüttenausflüge? Wäre billiger und gesünder. Jedenfalls für meine Seele. Aktuell kann ich in den nächsten sechs Monaten 1000 Euro auftreiben, wovon ich garantiert min. 700 vorfinanzieren muss. Ich hoffe wirklich, dass nichts kaputt geht. Dazwischen lenken mich aber sicherlich kostenpflichtige Ausflüge der Schule ab.
PS: Es gibt auch harte Jahre, da stehen zusätzlich zur obligatorischen Klassenfahrt noch sehr kostspielige Projekttage an….