Wie sinnvoll ist ein Arbeitstraining? 

Fast alle Menschen mit einer psychischen Erkrankung müssten existentielle Sicherheit haben, um sich stabilisieren zu können. Hier ist schon ein Problem, denn die meisten psychisch erkrankten Personen in meinem Umfeld sind arm und von Sozialleistungen abhängig. Dabei wäre es wichtig, die Menschen für den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Durch die Arbeit ist es dann theoretisch möglich, sich eigenständig eine Existenz aufzubauen. Soweit die Theorie.

Nach dem tiefen, sozialen Fall landet man in einer Tagesstruktur. Das Ankommen ist nicht ganz einfach. Viele leiden unter Angst, Panik oder einer Sozialphobie, aber grundsätzlich stabilisiert man sich und nach meiner eigenen Erfahrung profitiert man langfristig von der Tagesstruktur. Was kann einer Person nun helfen, wenn sie sich in einer Tagesstruktur stabilisiert hat und von nun an mehr Förderung braucht? Der erste Impuls ist es, ein Arbeitstraining anzuraten. Nun kommen mehrere Probleme hinzu. Die Arbeitstrainings, die ich bis jetzt gefunden habe, sind nicht sehr alltagstauglich und die ausgesuchten Branchen wie etwa Gärtnerei, Tischlerei, Schneiderei etc.  sind in vielen Fällen nicht förderlich, die früheren berufsrelevanten Fähigkeiten wieder aufzufrischen. Ein Buchhalter, welcher durch eine schwere Erkrankung bis in eine Tagesstruktur fiel, profitiert nicht von einer Werkstatt. Auch im Lebenslauf ist es nicht zielführend.  Zusätzlich zur krankheitsbedingten Lücke kommt noch ein Arbeitstraining in einer Werkstatt oder Gärtnerei hinzu.

Ich habe in meiner Tagesstruktur und auch im persönlichen Umfeld niemanden kennengerlernt, der von einem Arbeitstraining beruflich profitieren konnte. Viele waren danach sehr fertig und mussten zurück in die Tagesstruktur und einige hingen im AMS oder einer anderen Maßnahme fest. Deswegen müssen auch die Methoden des Arbeitstrainings neu gedacht werden.

Ich würde mich wirklich freuen, wenn ich Leute kennenlernen kann, bei welchen es anders verlief. Grundsätzlich wollen sich fast alle Menschen mit psychischer Erkrankung, die ich kennenlernte, selbstständig durch eine Arbeit erhalten. Eine psychische Erkrankung zu haben, bedeutet nicht faul zu sein, es ist nur nicht immer möglich mit diesem System mitzuhalten, welches von Menschen erschaffen wurde. Es ist kein Naturgesetz und wir psychisch erkrankten Personen sind nicht faul. Diese Menschen müssen durch Inklusion in ein künstliches System integriert werden.

Was kann man machen, wenn man Teil dieses Planeten ist und in einem von Menschen entwickeltem System lebt, welches kein Naturgesetz ist, aber welchem man einfach nicht gewachsen ist? Gerade hier ist ein wichtiger Punkt, unser Blickwinkel kann wertvoll sein und ein System, welchem immer weniger Menschen gewachsen sind, bereichern und Verbesserung bringen.

Das System aus Arbeitstraining, Rehamaßnahmen, und anderen Maßnahmen zur Wiederherstellung der psychischen Gesundheit, ist wirklich teuer, aber was ich persönlich miterlebe, bringt es nur wenig. Ich suche immer noch nach validen Zahlen, die zeigen können, wie sinnvoll diese Trainings wirklich sind. Ich kann nicht für alle Projekte in Österreich sprechen, aber die in meiner Umgebung gehören reformiert. Was sich nicht ersetzen lässt sind die Tagesstrukturen. Eine bessere Erfindung, um wieder auf die Beine zu kommen gibt es nicht. Aber, wenn man sich dann besser fühlt, steht man vor dem Nichts, denn Perspektiven kann das System nicht bieten. Hier muss innovativer gedacht werden. Vor allem braucht es Jobs für diese Menschen, denn sonst ist jede Maßnahme eine teure Beschäftigungstherapie ohne langfristigen Erfolg.

Ich habe viele Ideen, trotz aktiven Versuchen wollte noch niemand darauf eingehen, aber ich bleibe dran :-).

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