Perspektiven Check

Die Tagesstruktur soll die Teilnehmer weiterbringen. Eine Struktur ins Leben bringen und dabei Perspektiven schaffen. Um die Perspektiven zu schaffen, muss man erstmal welche finden. Die Tagesstruktur sieht deswegen vor, alle vier Monate einen Perspektiven Check zu machen. Dabei muss man sich ein Ziel setzen, welches man in den nächsten vier Monaten erreichen will. Die Ziele können vielfältig sein. Weniger Naschen, in Arbeitsbereichen etwas herstellen, psychisch stabiler zu werden, sind nur ein paar wenige Beispiele dafür.

Heute holte mich mein neuer Betreuer aus meinem Arbeitsbereich und fragte, ob ich bereit bin für einen neuen Perspektiven Check. Gut ging es mir nicht, aber ich stimmte zu. Erstmals wurde sich nach meinem Befinden erkundigt. Der Kardinalfehler meinerseits war es, dann zu erzählen, wie es mir wirklich geht. Als ich dann bat, dass die Details unter uns blieben, wurde mir gesagt, dass, alles, was ich erzähle im Team besprochen wird, samt Praktikanten. Mir wurde das niemals gesagt. Die Diagnose und wie es mir damit geht, ja, sowas wird geteilt. Aber alle Details aus den Vier-Augen-Gesprächen mit meinem Betreuer, davon war nie die Rede. Ich dachte wirklich, dass gewisse Themen nicht relevant sind für das Team. Zusätzlich bin ich in regelmäßiger ärztlicher Behandlung, was bekannt ist.

Nach einigen Hin und Her, sagte mir der Betreuer, er würde das Gespräche diesmal vergessen. Ich lerne daraus, wenn mich ein Betreuer oder eine Betreuerin fragt, wie es mir geht, sage ich nur: „Danke, es passt“. Oder: „Es geht mir nicht gut“, aber ich rede nicht über Details. Nicht mehr.

Es brauchte fünf Stunden, bis ich realisierte, dass mein NEIN zu vertraulichen Themen, bei welchen es weder um Gefährdung anderer Personen noch um Selbstgefährdung geht, nicht ausreicht, um meine Autonomie zu schützen. Mein Wille wird absolut nicht respektiert.

Das fühlt sich entwürdigend an. Man wird als erkrankte Person in einer solchen Struktur nicht als vollwertiger Mensch anerkannt. Es wird sich einfach über meinen Wunsch der Geheimhaltung über bestimmte Details hinweggesetzt. Ich nehme aus dieser Erfahrung mit, dass ich noch weniger über Probleme, Sorgen und Gefühle rede, weil es ansonsten breit im Team besprochen wird. Das ist einer der großen Nachteile in meiner Tagesstruktur, uns wird nicht auf Augenhöhe begegnet. Wir werden in vielen Fällen, wie kleine Kinder behandelt.

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