Diese wohltuende Formulierung lässt sich im Zusammenhang mit Arbeitsunfähigkeit im Internet lesen. Gut, jetzt wird man vom AMS für arbeitsunfähig erklärt. Wie geht es dann weiter?
Ich kenne Armin, er wurde mit etwas über 20 Jahren als arbeitsunfähig erklärt. Armin weist einen Behinderungsgrad von 60% auf. Er hatte, auch wenn es abgedroschen klingt, eine sehr schwere Kindheit. Schlechte Chancen für einen guten Start ins Berufsleben. Für eine Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension fehlen die Versicherungsjahre und selbst wenn genug Jahre vorhanden wären, ob Armin dann eine Pension bekommen würde, ist mehr als fraglich. Höchstwahrscheinlich nicht.
Die psychischen Probleme begannen früh. Nach der Hauptschule versuchte er einen Beruf erlernen, was mit der Erkrankung nicht leicht ist. Wirkliche sinnvolle Unterstützung wurde nicht angeboten. Danach ging es mit Arbeitstraining weiter, ein volles Jahr. Armin zog es durch. Es fiel ihm nicht leicht, aber er hoffte, dass es was bringen würde. Tat es nicht. Es laugte ihn aus. Lohnte sich beruflich aber nicht. Weitere Maßnahmen folgten. Beruflich weiter brachte es ihn nicht, es kostet trotzdem Steuergeld. Sinnvoll ist das alles nicht. Armins Selbstwertgefühl ist mittlerweile nicht mehr vorhanden. Er traut sich auch nichts mehr zu.
Jetzt ist Armin seit Jahren in der Tagesstruktur. Vorher abhängig von der Sozialunterstützung bekommt er heute Lebensunterhalt für Menschen mit einer Behinderung. Muss jährlich neu angesucht werden und wie hoch der Betrag monatlich ist, hängt oft vom bearbeitenden Beamten oder der Beamtin ab. So kann es passieren, dass man höhere Kosten hat und trotzdem weniger Geld bekommt als im Vorjahr. Mache Beamten oder Beamtinnen berücksichtigen mehr Ausgaben als andere. Jedes Jahr Angst, dass das Geld noch weniger wird. Armin kann oft vor Angst nicht schlafen, wie soll er jemals aus diesem Loch hinauskommen? Wie kann er sich noch etwas aufbauen? Arbeitsunfähig bedeutet nicht, dass ein Mensch nicht noch etwas relevantes leisten kann, sondern nur, dass er mit den Anforderungen dieses Systems nicht klarkommt. Aber immer mehr Menschen schaffen dieses System nicht mehr, es wird zu viel. Daher muss es neu gedacht werden. Denn wer zahlt diesen Schaden? Die Gesellschaft.
Von der Gesellschaft wird ein Mensch mit solch einem Schicksal auch meist noch verurteilt. Es wird oft vorgeworfen, dass man dankbar sein soll, dass es überhaupt Unterstützung gibt und das sind auch alle betroffenen Personen. Gerne werden psychische Probleme auch abgewertet. In vielen Fällen wird gesagt, dass diese Menschen nicht arbeiten wollen. Aber wer will wirklich von so wenig Geld und in ständiger Unsicherheit leben? Ich glaube, dass es eine überschaubare Gruppe ist.
Aber wie wird geholfen? Mit Schikanen und Demütigungen. Einen Antrag auf Sozialunterstützung bzw. Sozialhilfe zu stellen ist nicht angenehm. Ich verstehe, dass ich meine Kontoauszüge einreichen muss und dazu auch sämtliche andere Daten, aber ich verstehe nicht, warum die Beamten und Beamtinnen einen zum großen Teil schlecht behandeln und teilweise Forderungen stellen, die ungesetzlich sind. Ich musste persönlich die Volksanwaltschaft wegen Willkür einschalten. Ein Beispiel von vielen ist, dass eine Beamtin die Kontoauszüge der letzten fünf Jahre von meinem Sohn wollte, obwohl diese alle eingereicht wurden. Auf meine Frage, was mit diesen sensiblen Daten passiert ist, wollte sie nicht antworten, erst durch die Volksanwaltschaft wurde diese Dame gesprächsbereit und nahm dann Abstand von diesem Ansinnen.
Welche Erfahrungen habt ihr mit Behörden gemacht?