Einfach ins Tun kommen. So simpel kann man die Lehre, die ich bisher aus diesem Buch herausgelesen habe, zusammenfassen. Machen bedeutet daher Macht. Macht über das eigene Leben. Ständig darüber zu grübeln, was wäre, wenn ich anfangen würde, oder wie ich perfekt starten kann und wie vorbereitet ich sein muss – das sind, und das habe ich selbst in meinem Leben erfahren müssen, massive Hemmschwellen, um ins Machen zu kommen. Doch so simpel und radikal diese Lehre zusammengefasst wurde, ist es meiner Meinung nach nicht.
Es gibt, und das wird meiner Meinung nach in diesem Buch stark bestritten, Umstände, über die wir auch beim besten Willen kaum oder gar keine Macht ausüben können, die aber letztlich einen starken indirekten oder auch direkten Einfluss auf unser Leben haben. Darunter zähle ich schwere Erkrankungen. Ich habe kaum Macht über meine Erkrankung. Ansonsten wäre ich vollständig gesund. Wohl aber liegt es in meiner Macht, mit dieser Erkrankung umzugehen und aus der aktuellen Lebenssituation das Beste zu machen.
Wenn ich dahingehend das Prinzip der Macht interpretiere, dann mag ich dem Autor zustimmen. Es liegt in meiner Hand, mit der Erkrankung das optimale Leben zu gestalten. Das bedeutet auch einzugestehen, dass ich gewisse Dinge nicht oder nur sehr schwer umsetzen kann und dass ich in einigen Bereichen auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen bin. Macht bedeutet dann, dies zu erkennen und sich aktiv Hilfe und Unterstützung zu suchen.
Diese kann vielfältig sein und ist immer auf die konkrete Person abzustimmen. In meinem Fall hat mir die MSB sehr viel geholfen. Während andere Hilfen, wie Klinikaufenthalte, Reha, Therapien oder das Hören von Suggestionen, kaum Erfolge hatten. Auch gerade deshalb, weil die MSB mir vieles abgenommen, mich aber gleichzeitig zu mehr Eigenständigkeit motiviert hat. Und das auf gleicher Augenhöhe.
Meiner Meinung nach sind wir auf andere Menschen und Institutionen angewiesen. Und sich aktiv Hilfe, Unterstützung, Kompensation und Motivation zu suchen – das verstehe ich in diesem Zusammenhang als einen machtvollen Weg aus der Machtlosigkeit.
Wie siehst du das?