Der Autor umschreibt diesen ersten Abschnitt mit den Worten „Das menschliche Drama“. Ich werde zu den einzelnen Abschnitten noch ein paar Gedanken und Erkenntnisse meinerseits in separaten Beiträgen darstellen. Ich möchte jetzt aber erst einmal einen kurzen Überblick über ein meines Erachtens wichtiges Prinzip und einige Erkenntnisse geben, die ich für mich mitnehmen konnte.
Eine große Erkenntnis, die mir auch weitergeholfen hat – vorausgesetzt, ich wende sie konsequent an – ist, dass die Dinge und Umstände weder gut noch schlecht sind. Sie sind einfach. Punkt. Das ist deshalb so erstaunlich, weil ich, wie wir wohl alle, jeden Moment bewerte. Es ist schlecht, eine Katastrophe, grauenhaft, nicht zu überleben. Meine Erkrankung und meine prekäre Situation sind einfach nur unglaublich erniedrigend und schlimm. Dadurch habe ich viel Energie verloren. Durch mein Bewerten und ständiges Herumjammern darüber, wie schlecht ich es habe, vergingen die Minuten, Stunden, Tage. Und es hat sich nichts, aber auch rein gar nichts verändert.
Seit ich das LOLA-Prinzip mehr studiere als lese, verändert sich langsam mein Denken. Nun gut, ich muss aktiv etwas dafür tun. Und ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich in alte Denk- und Verhaltensmuster zurückfalle. Aber sobald ich das bemerke, steuere ich aktiv dagegen. Es ist anstrengend und nervig. Das muss ich zugeben. Aber es beruhigt mich. Es ändert keineswegs die Situation. „Geist schafft Materie“ – was ich immer wieder gehört und gelesen habe –, die Realisierung dieses Prinzips gelingt mir nicht. Oder noch nicht?
Aber ich verschwende weniger Zeit und Energie mit dem Jammern. Und komme vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben dazu, diese Zeit und Kraft zu nutzen, um konsequent an diesem Blog mitzuarbeiten. Vielleicht gelingt so die Veränderung. Sich weniger auf Umstände von außen zu verlassen, sondern selbst aktiv zu werden. Ich habe bereits über meine Erkenntnis zur Machtlosigkeit etwas Ähnliches geschrieben.
Die Dinge, die Umstände, die Situationen, meine Erkrankungen und deren Auswirkungen, die prekäre Lebenssituation und die politisch-gesellschaftliche Situation sind weder gut noch böse. Sie sind einfach. Beim Schreiben dieser Zeilen muss ich schwer schlucken. Sofort schießt mir in den Kopf, dass Vermögen und Fähigkeiten aber unfair verteilt sind. Und das ist schlimm. Ich bewerte. Und versuche, meinen Geist zu beruhigen. Was im Kleinen durchaus gelingt, fällt mir bei politisch-gesellschaftlichen Themen, bei der Frage der Vermögens- und Chancenverteilung sehr schwer. Um nicht zu sagen, es erscheint mir schier unmöglich.
Was denkst du darüber? Ist es so einfach? Ist die Welt einfach? Und weder gut noch schlecht?